#WirVergessenNicht – Das Schweigen der Lämmer – Pädophilie – Aufklärung und Prävention

Laut einer Studie betrifft Pädophilie ca. 1% der Bevölkerung, sexuelle Fantasien mit Kindern hatten in der deutschen Mikado-Studie 4%. Prof. Dr. Paul PLENER, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im AKH Wien, ist der Meinung, dass sexuelle Aufklärung altersadäquat ablaufen soll. Schon im Kleinkinderalter kann darauf hingewiesen werden, dass es Körperteile gibt, die niemand ungefragt berühren darf. In einem offenen Brief werfen 120 Wissenschaftler ARD und ZDF eine Frühsexualisierung und Gender-Umerziehung, finanziert durch Steuergelder, vor. In der Sendung mit der Maus wird den Kleinsten nähergebracht wie man das biologische Geschlecht wechselt. Diese Art von Aufklärung ist kein Schutz vor Kindesmissbrauch, wie es Medien und Politik versuchen darzustellen.

Kinder, die ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben und mit ihnen über alles sprechen, sind nicht so gefährdet als jene von zerrütteten Familien. Kinderschänder werden meist in ihrem Umfeld als hilfsbereit, umgänglich, charmant, freundlich beschrieben. Der Prozess, als „Grooming“ bezeichnet, ist ein Heranarbeiten des Täters, der auslotet, ob er auf sein Opfer eher Druck ausüben oder es ins Vertrauen ziehen soll. Missbrauch kommt oft in Institutionen vor und gerade engagierte, hingebungsvolle Kollegen verschieben ihre Grenzen indem sie länger arbeiten oder Berufs- und Privatleben vermischen.

 

 

Da Pädophilie keine Erkrankung ist, gibt es für sie auch keine Heilung. Letztlich muss man mit dieser Neigung leben lernen.

 

 

Meistens erfolgt die Trauma-Therapie mit zeitlicher Distanz. Prognosen für Trauma-Folgestörungen fallen positiver aus, je früher sich Betroffene darüber aussprechen können. Heimlichkeiten sind belastend. Der Schutzmechanismus der Psyche lässt Erinnerungen verblassen, die emotionale und mentale Aufregung führt zu Gedächtnislücken. Der menschliche Umgang kann beeinträchtigt und das persönliche Sicherheitsgefühl geschädigt werden. In der kognitiven Verhaltenstherapie wird explizit über das Erlebte gesprochen, die schrecklichen Geschehnisse in der Vergangenheit dürfen die Gegenwart nicht beeinflussen, sodass der Patient die Kontrolle über seine Erinnerungen und Reaktionen zurückgewinnt. Wir vergessen sie nicht.

 

 

 

 

Ein 18-jähriger Wiener hat ca. 120 Buben im Alter zwischen 10 und 12 Jahren zu sexuellen Handlungen verleitet bzw. genötigt, die sie ihm in Form von Fotos sowie Videos schicken. Bei der Hausdurchsuchung werden in großer Menge Beweismitteln gesichert, der Tatverdächtige wird festgenommen und eine Untersuchungshaft verhängt.

In Österreich werden laut dem Verein Finger Weg mehr als 10.000 Kinder im Jahr sexuell missbraucht. Nur in 6% aller Fälle ist der Täter dem Kind unbekannt. 25% leben mit ihrem Peiniger in einem Haushalt und werden 3 – 11 Jahre lang genötigt. Ein Kind, das sich offfenbaren möchte, benötigt durchschnittlich 7 Versuche bis jemand ihm Gehör schenkt. Von den 600 bis 800 angezeigten Fällen ist die Verurteilungsrate zwischen 25% und 30%.

250 Sexualstraftäter werden jährlich zu einer unbedingten Haftstrafe verurteilt. Beweise liegen nur in 15% der Fälle vor, meist gibt es nur die Aussage des Kindes. Die Verjährungsfrist für Missbrauch beginnt erst mit der Volljährigkeit des Opfers zu laufen und liegt zwischen 5 und 20 Jahren, trotzdem wird jede zweite Anzeige wegen Verjährung zurückgelegt. 80% der drogenabhängigen Mädchen und 70% der Prostituierten wurden in ihrer Kindheit sexuell missbraucht. 70% – 80% der Missbrauchsopfer haben eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, sie sind überempfindlich, instabil, impulsiv und leiden unter extremen Stimmungsschwankungen. 50% der Täter wurden als Kind missbraucht, der Anteil der Opfer, die zu Täter werden, ist weit geringer.

 

 

Frau Dr. Brigitte MENZEL-HOLZWARTH, Referentin im Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend mit dem Schwerpunkt „Gewalt im sozialen Nahraum“ erläutert die juristische Seite des sexuellen Missbrauchs. Typisch für ihn ist die Machtausübung eines Erwachsenen auf ein Kind, meist im sozialen bzw. familiären Umfeld.  Oft fällt es den Opfern schwer Hilfe anzufordern, wichtige Bezugspersonen sind in einer Verdachtssituation schnell überfordert. Kinderschutzzentren bieten professionelle Maßnahmen an. Wegschauen ist keine Alternative. Wenn man nicht gleich eine polizeiliche Anzeige machen möchte, kann jeder eine eventuelle Gefährdung bei der Kinder- und Jugendhilfe beim Magistrat oder bei der Bezirkshauptmannschaft melden, um eine Abklärung einzuleiten. Die Zuständigkeit richtet sich nach dem Wohnsitz des Kindes. Das Jugendamt schätzt dann die Situation ein, es ist nicht zu einer Anzeige verpflichtet.

Welche sexuellen Handlungen an Kindern in Österreich strafbar sind, sind im Strafgesetzbuch (StGB) geregelt. Taten mit sexuellem Hintergrund werden mit besonders hohen Strafen belegt. Der § 206 behandelt den schweren sexuellen Missbrauch von Unmündigen, der im Fall eines Geschlechtsverkehrs oder bei ähnlichen Handlungen Anwendung findet. Im § 207 wird der sexuelle Missbrauch von Unmündigen behandelt, der alle übrigen sexuellen Handlungen an oder mit Kindern erfasst. Für eine Verurteilung nach § 206 reicht der Beginn einer sexuellen Handlung, auch wenn sie nicht beendet wird, oder nur geschlechtsähnlich ist, wie bei Anal- oder Oralverkehr. Für die Strafbarkeit sind Zwang bzw. Nötigung nicht ausschlaggebend. Das Gesetz bietet Schutz vor unfreiwilligen sexuellen Handlungen und soll eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sichern, daher ist jede geschlechtliche Annäherung oder Handlung an Kindern unter 14 Jahren strafbar. Auch wenn die Initiative vom Kind ausgeht. Dem Täter oder der Täterin drohen zwischen 1 – 10 Jahre Haft, bei Verletzung oder Schwangerschaft bis zu 15 Jahren, bei Tod 10 – 20 Jahre oder eine lebenslange Freiheitsstrafe.  Straffrei ist der Geschlechtsverkehr bei einer Person, die 13 Jahre alt ist, wenn die andere bis zu drei Jahre älter ist. Wenn nur sexueller Kontakt ohne Geschlechtsverkehr besteht, kann die Person 12 Jahre alt und die andere bis zu 4 Jahre älter sein. Der Import von kinderpornographischen Material nach Österreich ist verboten, ebenso die Herstellung, die Beschaffung oder der Besitz solcher Aufnahmen.

Nach Ablauf der Verjährungsfrist haben Polizei und Gericht keine Möglichkeit gegen Verdächtige zu ermitteln und ein Strafverfahren einzuleiten.

Folgende Verjährungsfristen bestehen bei:

  • § 207 StGB: „Sexueller Missbrauch von Unmündigen“ – Verjährung nach 5 Jahren.
  • § 206 StGB: „Schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen“ – Verjährung nach 10 Jahren, bei Missbrauch oder Vergewaltigung mit Todesfolge nie.
  • § 201 StGB: Vergewaltigung verjährt nach 10 Jahren, Vergewaltigung mit schwerer Körperverletzung nach 20 Jahren.

Wenn ein Täter während der Verjährungsfrist erneut Missbrauch begeht, gibt es keine Verjährung, sollte die Frist auch für die Tat abgelaufen sein.  
Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist mit mindestens 2% bis 10 % unter Berücksichtigung der Dunkelziffer alarmierend hoch und wird in der Bevölkerung zu wenig beachtet. Minderjährige haben Angst über die Geschehnisse zu reden, sie müssen eine Person finden, der sie sich anvertrauen können, die ihnen glaubt und helfen kann.  Im Falle eines Verdachts ist es wichtig, dass Eltern und Berufsgruppen, die mit Schutzbefohlenen Kontakte pflegen, wissen was zu tun ist.

(©Limahr, 14. Juli 2022) 

 

Facebook
WhatsApp
Twitter
Telegram
Email
Pinterest
Facebook
WhatsApp
Twitter
Telegram
Email
VK

BLEIB INFORMIERT

Anmeldung zum Newsletter

Felder mit * sind auszufüllen.

So kannst du uns unterstützen!