Gedankenkontrolle – Wenn Worte zu Waffen werden

Ermitteln Kriminalbeamte in einer Mordsache, nennen wir sie dann Mörder? Werden sie aufgrund ihrer Ermittlungen mit einer möglichen Strafverfolgung bedroht? Nein, selbstverständlich nicht?
Doch genau das passiert heutzutage mit Menschen, die über eine mögliche Verschwörung recherchieren, Bescheid wissen oder andere davor warnen wollen. Man dreht den Spieß um, nennt sie in Medien Verschwörer und steckt sie in die gleiche Schublade wie Kriminelle.

Verrückte Wahrnehmung
Sei es aufgrund gezielter Ermittlungen und Recherchen, oder einfach nur weil man Pech hatte und sich mit seiner Ansicht nicht im Overton-Fenster – und somit innerhalb des akzeptierten öffentlichen Diskurs – befindet, Menschen mit unbequemen Ansichten oder Fakten werden zunehmend als „Verschwörer“ tituliert.
So schreibt zB. Michael Butter, Professor für amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen und „führender Experte auf dem Gebiet der Forschung zu Verschwörungstheorien” im Deutschen Ärzteblatt:
„Verschwörer unterstellen Bill Gates ein Vorwissen oder machen ihn sogar für die Pandemie verantwortlich.” Das ZDF verkündet: „Im Tunnel der Verschwörer”, Der Spiegel betitelt ein Video auf YouTube: „Die Promi-Verschwörer: Hildmann, Naidoo und Wendler“.
Was meinen ein sogenannter Experte für „Verschwörungstheorien” – zu dem Wort kommen wir noch – und die Journalisten vom ZDF oder Der Spiegel mit ihrer Verwendung des Wortes „Verschwörer”? Menschen, die auf das theoretische Übungs-Szenario Event 201 hinweisen, hätten eine Verschwörung begangen!? Jemand, der die geringe Wahrscheinlichkeit betont, dass direkt nach der Simulation eines weltweiten Corona-Virusausbruchs im Oktober 2019 exakt dies passiert sein soll, wäre ein Verschwörer!? Von welchen Verschwörern im Tunnel – wohl Telegramm – sprechen sie? Warum gilt Naidoo, den man bis vor kurzem als „Verschwörungstheoretiker” verunglimpft hat, nun als Verschwörer? Hat er jetzt also keine Theorien mehr über Verschwörungen, sondern beteiligt er sich neuerdings an ihnen? An welchen? Oder ist die Verwendung des Wortes hier einfach schlichtweg falsch?
Was bedeutet das Wort Verschwörung?
Schlagen wir z.B. das deutsche Wörterbuch des Jahres 1985 (KNAUR) auf, finden wir eine klare Definition: „Geheimes Unternehmen gegen jmdn., eine Verschwörung aufdecken. Das Gleiche gilt für Verschwörer: jmdn., der an einer Verschwörung beteiligt ist.“

Im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm finden wir den Hinweis auf Schiller:
„’sist eine verschwörung, ein complott. Schiller, Wallensteins Lager“ oder auf die Verschwörung des Catilina, der laut Sallust Putschpläne schmiedete und die Mehrheit der Senatoren mithilfe seiner Mitverschwörer in einem Attentat ermorden wollte. Hier werden die Wörter Verschwörung und Verschwörer in ihrem eigentlichen Sinn angewendet. Das heißt:

Heutzutage werden Menschen, die auf verifizierte oder noch nicht verifizierte Verschwörungen hinweisen, mit Verschwörern, Komplottschmiedern oder Attentätern gleichgesetzt!

Wie konnte das passieren?
Blicken wir noch einmal in das analoge Deutsche Wörterbuch von Knaur aus dem Jahr 1985, fällt auf, dass das Kunstwort „Verschwörungstheorie“ dort nicht zu finden ist.

„Verschwörungstheorie“ ist nämlich ein sehr junges Wort im deutschen Sprachgebrauch, das zwar laut dieser Google-Wortkurve ab den 1960igern immer mehr Fahrt aufnahm, jedoch nicht wichtig genug war, um es ins Knaur Wörterbuch von 1985 mit 1120 Seiten zu schaffen. (Anmerkung Autor: Noch im Jahre 2008 musste ich älteren Österreichern um den Jahrgang 1939 wiederholt erklären, was das Wort bedeuten soll, da sie es nicht kannten.)

Geheimagenten: Im Dienst der Propaganda
Den Ursprung der steigenden und negativen Verwendung des Kunstwortes „Verschwörungstheorie” in den 1960igern finden viele in der CIA Direktive 1035-960 Concerning of the Warren Report. Hier gibt der US-Geheimdienst den Auftrag, mit Propaganda-Methoden und Agenten sämtliche Kritiker der offiziellen Darstellung des Kennedy-Attentates zu diffamieren. Und zwar als Menschen, die voreilige Theorien hätten, bevor die Beweislage klar war. Menschen, die hastig und ungenau recherchierten, die verliebt in ihre eigenen Theorien wären und politische oder finanzielle Motive hätten.
Da das Kennedy-Attentat mitnichten das einzige kontroverse Zeitgeschehen mit einigen deutlichen Ungereimtheiten blieb, wurde der Begriff sukzessive weiter instrumentalisiert und zum Kampfbegriff gegen Kritik und Skepsis aus der Bevölkerung gegenüber Darstellungen der Obrigkeit. Jemand hat Probleme damit, dass zwei angebliche Flugzeuge drei Wolkenkratzer pulverisiert haben? Hört seine Argumente oder Gedanken nicht an, er ist doch nur ein „kruder Verschwörungstheoretiker”.
Jemand weist darauf hin, dass das Tragen von Masken und das damit verbundene Einatmen des eigenen Kohlenstoffs früher als gesundheitsschädigend galt? Keine Aufmerksamkeit schenken, das ist doch nur ein Spinner mit „esoterischen Verschwörungstheorien”.
Auch wenn Menschen Darstellungen der Autorität falsifizieren können und ihnen nur die Wahrheit am Herzen liegt, sprechen sie öffentlich darüber, werden sie schnell als kriminell dargestellt.

Unbequeme Wahrheit
Ein aktuelles Beispiel, wie das Kunstwort sämtliche Diskussion oder Bedenken im Keim ersticken soll, ist, wie man mit folgendem Hinweis der ADAC umgegangen ist. „Die Unfallversicherung leistet nicht bei folgenden Unfällen:
Impfschäden aufgrund angeordneter Massenimpfungen.”
Also jeder, der in Deutschland am Massen-Experiment teilnahm und sich vom Staat angeordnet ein experimentelles Mittel spritzen ließ, ist nicht durch die ADAC-Versicherung abgedeckt, wenn er am Steuer einen Unfall erleidet. Bedenklich, wo wir momentan so viele medizinische Notfälle am Steuer erleben…Doch kein Grund zur Beunruhigung, denn der Versicherungsprofi kontert sogleich: „ADAC wehrt sich gegen Verschwörungstheorie“.
Nicht sie zahlten bei Impfschäden, sondern der Staat (Anmerkung Autor: Wenn er den Impfschaden anerkennt, wofür manche Jahrzehnte kämpfen mussten.) Was das „Recherchennetzwerk Correctiv“ bei ihrem Framing außer Acht lässt, ist, dass es doch angeblich keine Impfschäden gibt, da die Corona-Impfungen so zuverlässig und sicher seien. Hauptsache jeder, der über den bedenklichen ADAC Absatz stolpert, ist gut genug konditioniert, dass er beim Lesen von „Verschwörungstheorie“ alles Weitere ignoriert. (Übrigens sollte man sich auch in Österreich die Frage stellen, ob man beim ÖAMTC abgesichert ist, wenn man Covid-Präparate bekommen hat, da allein schon sogenannte Kreuzimpfungen einen OFF-Label Use und somit Arzneimittelmissbrauch darstellen können.)

Opfer werden zu Tätern
Bevor das Kunsttück vollbracht wurde, unabhängige Forscher, Aufdecker oder auch nur Zweifler an einem gängigen Narrativ als Verschwörer darzustellen, gab es noch eine nennenswerte Entwicklung. Die Bedeutung des Wortes Verschwörung wurde bestenfalls mit der Bedeutung des Wortes Theorie oder Phantasie, meist jedoch mit Lügen gleichgesetzt.
Zum Beispiel in der Puls 4 Reihe: „Wahrheit oder Verschwörung”. Hier wird das Wort Verschwörung eindeutig mit der Bedeutung „Lüge” ausgetauscht. Oder hier, im Buch „Wahrheit und Verschwörung”, in dem der Zweifel an der Darstellung der Obrigkeit und der Wunsch nach Wahrheit oder evidenzbasierten Fakten mit Pippi Langstrumpf verglichen wird.
Oder als letztes Beispiel noch ein Blog mit der sinnlosen Headline: „Verschwörung ist die neue Wahrheit? – Gefahren für Jugendliche & Kinder” und der sinnbefreiten Aussage: “Denn Verschwörer wollen immer die Wahrheit aufdecken“.
Nein, Verschwörer sind diejenigen, die ein geheimes, subversives Unterfangen durchführen wollen! Wieder werden Menschen, die Verschwörungen aufdecken oder aufzeigen wollen, mit den Verursachen gleichgesetzt!
Wichtig zu erwähnen ist auch, dass das Wort “glauben” zusammen mit dem Abschreckungsbegriff verwendet wird: „Man glaube an eine Verschwörungstheorie.”Bei genauerem Nachdenken macht das keinen Sinn. Wieso sollte man an eine Theorie glauben? Die Definition einer Theorie ist, dass sie erst verifiziert oder falsifiziert werden muss, um keine Theorie mehr, sondern Fakt zu sein. Man hat eine Theorie. Man stellt eine auf. Man glaubt nicht an sie. Was uns die Verwendung des Begriffes „glauben” aufzeigt, ist, dass diejenigen, die eine nicht akzeptierte Meinung haben, in den Bereich des Fanatismus gedrängt werden sollen.

Social Engineering der Massen
Die Konditionierung der letzten Jahrzehnte hat leider vorzüglich funktioniert. Selten trifft man noch einen Gesprächspartner an, der offen für kontroverse Themen ist. Meistens wird schon nach den ersten Paar Wörtern mit „Das ist doch eine Verschwörungstheorie abgeblockt“. Die Erziehungsmaßnahmen dafür befinden sich heutzutage natürlich besonders im Internet.
Googelt man z.B. „das ist doch auch nur so ein Verschwörer”, sind die oberen beiden Treffer eine offizielle Seite der EU: „So erkennt man Verschwörungstheorien“ und die Landeszentrale für politische Bildung”: „Verschwörungstheorien erkennen und entlarven“.
Die „Landeszentrale für politische Bildung” verbindet Zweifel am Status Quo geschickt mit Fremdgefährdung des Virus-Narrativs: „Ein Punkt, der oft unterschätzt wird, ist die Eigen- und Fremdgefährdung, die von Verschwörungstheorien ausgehen kann. Da man ständig im Glauben ist, von allen und jedem angelogen zu werden, glaubt man irgendwann auch nicht mehr Meldungen aus den Nachrichten, Warnhinweise der Polizei oder Empfehlungen von Ärzten.”

Doch wieso sollte man der Autorität glauben?
Ist es nicht genau das, was unabhängig- und anders denkenden Menschen angelastet wird, dass sie „glauben“? Nur eben der falschen Instanz? Gehört es nicht zum Fundament eines eigenständigen, erwachsenen Menschen, Eigenverantwortung für seine Gedanken, Handlungen und seinen Körper zu übernehmen? Braucht es nicht Andersdenkende, um die potentiell schlimmen Folgen von blindem Gehorsam zu vermeiden? Wäre es nicht angebracht, einen Sachverhalt zu überprüfen und nicht vorbehaltlos zu übernehmen?
Gerade das Verteufeln des eigenständigen Denkens sollte uns besonders zu denken geben. Denn wäre unsere Welt wirklich frei, sollte die Wahrheit ganz oben stehen. Und zur Wahrheit gehört es nun mal, unterschiedliche Gedankenansätze zuzulassen. Doch davon ist unsere Welt mit ihrem diktatorischen Meinungsgebot ganz weit entfernt. Die Konsequenzen sind bedenklich. Können nachfolgende Generationen überhaupt erkennen, ob sie unter den Auswirkungen einer Verschwörung leiden, wenn die Bedeutung dahinter immer mehr im Nebel versinkt? Wird es in naher Zukunft Gefängnisse oder Umerziehungslager für Andersdenkende, die sogenannten Verschwörer geben, während die wahren Verschwörer als Gedankenpolizei die unerwünschten Andersdenkenden einsperren?
Oder schaffen wir es noch rechtzeitig zurück zu einer Welt zu finden, in der ohne Verunglimpfung und Verfolgung andere Gedanken, Meinungen und Lebensweisen zugelassen werden?
Zu einer Welt, in der man in Frieden der Wahrheit verschworen sein darf.

@NL 28.10.2022

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