Die Inflationslüge – Das böse Spiel mit den Zahlen

Immer mehr Menschen („working poor“ – Erwerbsarmut) können von den Einkünften aus ihrer Arbeit nicht leben. Pensionisten kommen kaum über die Runden, Firmenpleiten und Privatkonkurse explodieren und die Zahl der von Armut betroffenen Menschen steigt besorgniserregend. Die Politik versucht indes mit der offiziellen Inflation im Juli von 9,3 % (Juni 2022: 8,7 %, Statistik Austria) zu beruhigen. Als ob dies nicht ohnehin hoch genug wäre, entspricht diese Inflation nicht der Realität. Tarnen und täuschen ist auch hier eine gerne angewandte Methode.

Bei der Zusammensetzung des Warenkorbes, nach dem sich der Verbraucherpreisindex berechnet und in Folge die Inflationsrate abgeleitet wird, werden Ausgaben eines durchschnittlichen Haushalts herangezogen. Allerdings sind in diesem Warenkorb (der immerhin über 700 Güter und Dienstleistungen enthält) auch Ausgaben berücksichtigt, die für einen wöchentlichen Einkauf keine Relevanz haben. Beispielsweise nehmen die Ausgaben für Wohnung, Wasser und Energie im Warenkorb einen Anteil von nur 18,9 % ein und sind in dieser Bewertung erst an vierter Stelle nach Verkehr (13,71 %), Restaurant und Hotels (12,68 %) und Freizeit/Kultur (11,38 %). Daher beträgt die tatsächliche Teuerung beim Wocheneinkauf weit mehr als es die Gesamtinflation zeigt. Die offizielle Inflation ist daher mit Vorsicht zu sehen. Das komplizierte Berechnungsprozedere dürfte wohl kaum jemanden interessieren, wichtiger für die Menschen ist der wöchentliche Einkauf, der sogenannte Miniwarenkorb, ein Wert, der sich tatsächlich auf die Kosten eines Haushaltes auswirkt. Dieser ist der stärkste Preistreiber und verantwortlich für die Hälfte der Inflation.

Der Miniwarenkorb mit Nahrungsmitteln, Dienstleistungen und Treibstoffen ist im Jahresvergleich um 18,8 % gestiegen.

                        Preisanstieg im Miniwarenkorb:

                        Wohnung, Wasser, Energie: + 10,3 %

                        Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke: + 11,3 %

                                    – Milch, Käse und Eier: +16,1 %

                                    – Brot und Getreideerzeugnisse: +11,2 %

                                    – Fleisch: +13,2 %

                                    – Gemüse: + 12 %

                                    – Öle und Fette: + 25,7 %

                                    – Butter: + 36,3 %

Bezüglich der Energiekosten sind derzeit kaum Prognosen möglich, Strom und Gas steigen ab September jedoch kräftig, auch die Tarife für Elektromobilität erhöhen sich im Schnitt um 55 %.  Eine „grüne“ Idee, die nicht bezahlbar ist. Wien Energie erhöht um 85 % für Strom und 97 % für Erdgas. Die EVN kündigt eine rund 7-fache Erhöhung ihrer Preise an und berichtet gleichzeitig einen Konzerngewinn in den ersten drei Quartalen in Höhe von € 228 Millionen. Bei diesen Zahlen helfen auch Rabattaktionen nicht, Dank bei den Kunden zu heischen. Warum auch Öko-Strom von Teuerungen betroffen ist, resultiert vereinfacht gesagt daraus, dass sich der Strompreis nach der teuersten Energieform berechnet. Im Moment ist das der Gaspreis.

Alle Energiepreisänderungen sind auf der Seite der e-control abrufbar  

Die Spritpreise sind zuletzt zwar ein wenig gesunken, aber die CO2-Bepreisung ab Oktober 2022 (zu den bereits 60 % Steueranteil) wird den Puls der Autofahrer an der Zapfsäule bald wieder steigen lassen. Energiebetreiber fahren indes Rekordgewinne ein, während die Konsumenten Rekord-Höchstpreise bezahlen müssen.

Damit haben die Verbraucherpreise im Juni 2022 die höchste Teuerungsrate seit 47 Jahren erreicht. Während in der Nachkriegsgeneration in einer Familie mit Kindern EIN Verdiener gereicht hat, um sich ein angenehmes Leben mit Auto, Immobilie und Urlaub leisten zu können, reicht das Geld heute kaum mehr für das Nötigste. Bereits 2020 brach der Konsum durch die Corona-Maßnahmen in Österreich deutlich ein, für 2022 erwarten uns noch schlechtere Zahlen. Da der private Konsum mit knapp 50 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt ein wichtiger Pfeiler der österreichischen Volkswirtschaft darstellt, möchte man an eine Auswirkung bei einem weiteren Einbruch dieser Werte durch Verarmung gar nicht denken.

Ein weiteres Phänomen ist beim Angebot in den Discountern zu beobachten. Wohl werben sie täglich mit verlockenden Angeboten, dennoch sind diese Aktionsprodukte nur äußerst beschränkt vorhanden und meist nach kurzer Zeit nicht mehr verfügbar. Auffällig ist auch, dass die billigen Eigenmarken des Handels zunehmend verschwinden und durch teurere Markenwaren ersetzt werden. Nicht nur das, auch beim Schummeln der Gewichtsangaben spielen sich die Supermärkte ein nettes Körberlgeld ein. Hier wird gut und gern bis zu 100 g geschummelt. Mit diesen Mogelpackungen, die mit „Shrinkflation“ sogar einen neuen Namen bekommen haben, wollen die Hersteller unauffällig ihre gestiegenen Kosten ausgleichen.

Immer mehr Österreicher kommen an den Rand der Existenz und spüren nicht nur beim täglichen Einkauf oder den Energiekosten wie unser Land rasant in die Armut rutscht.

Die aktuelle Armutsgefährdungsschwelle beträgt derzeit € 1.371 monatlich (Ein-Personen-Haushalt). Pensionisten (vor allem Frauen), Alleinerzieherinnen und Arbeitslose trifft es besonders hart. Eine Verhöhnung zeigt das Beispiel einer Mindestrentnerin mit einer monatlichen Rente von EUR 977,—. Sie hat wohl einen Teuerungsausgleich von 200 Euro für die Energiekosten erhalten, im Gegenzug wird ihr aber für einen Monat die Wohnbeihilfe gestrichen. Aber auch Familien mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen kommen immer mehr in Zahlungsschwierigkeiten. An die Anschaffung von Eigenheimen ist mittlerweile nicht mehr zu denken. Seit Euro-Einführung im Jahr 2002 hat der Euro bis Ende 2021 einen Wertverfall von 45,1 % (bei einer Inflation 2021 von 2,77 %) zu verzeichnen. Die aktuellen Inflationsraten nach 2021 konnten hier noch nicht berücksichtigt werden. Hochgerechnet kann daher bei einer derzeitigen Inflation von 9,3 % von einem Wertverlust des Euro von 151.41 % innerhalb von 20 Jahren ausgegangen werden, gegenüber dem Vorjahr bedeutet das sogar eine Verdreifachung des Wertverlustes

  • Erforderlich sind nun 20 % Eigenmittel des Kaufpreises (Nebenkosten von ca. 10 % und maximal 90 % Beleihungsquote vom Immobilienwert).
  • Die monatliche Rückzahlungsrate darf 40 % des Nettoeinkommens nicht überschreiten.
  • Die maximale Laufzeit wird auf 35 Jahre begrenzt.

Bei bereits bestehenden Finanzierungen könnten sich die Kreditraten bei variabler Verzinsung bald verdoppeln oder verdreifachen.
Mit Stand 2020 waren mehr als 1,5 Millionen Österreicher arm oder armutsgefährdet, die Zahlen dürften sich für 2022 noch erhöhen, zumal sich die Inflation im Vergleichsmonat des Vorjahres verdreifacht hat. Wenn Eltern in Armut leben, hat das auch Auswirkungen auf die Kinder. Bereits 385.000 Kinder und Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr sind armutsgefährdet oder von daraus folgender sozialer und wirtschaftlicher Ausgrenzung bedroht. Wobei auch diese Zahlen nur eine vorsichtige Annahme sein können. Die Insolvenzstatistik zeigt im 1. Halbjahr 2022 um 121 % mehr Firmenpleiten als im Vorjahresvergleich, Tendenz steigend. Die daraus resultierenden steigenden Arbeitslosenzahlen und Privat-Insolvenzen treiben Menschen in eine Existenz bedrohende Lage.

Privatkonkurse sind bereits um ein Drittel gestiegen. Die Situation ist alarmierend. Die Regierung bleibt untätig und nimmt in ihrer Unfähigkeit fahrlässig in Kauf, dass die Bevölkerung mehr und mehr in die Armut rutscht und bald hungert und friert. Während immer mehr Menschen sich selbst billige Nahrungsmittel nicht mehr leisten können, schleudert die Regierung Steuergelder hinaus und bedient sich selbst großzügig am Steuertopf mit Top-Gehältern und gönnt sich sogar eine Gehaltserhöhung. Die Bevölkerung hingegen wird in Kleinkind-Manier mit stupiden und beleidigenden Tipps zum Sparen aufgerufen, oder wie es Van der Bellen vorschlägt, die Zähne zusammen zu beißen, der mit einem monatlichen Bruttogehalt von € 26.252  leicht davon reden kann, dass wir diese schwere Zeit schon irgendwie überstehen werden. Für welche Leistung er dieses Spitzengehalt bekommt, fragt sich so mancher, der hierfür ein Jahr arbeiten muss. Hochmut kommt vor dem Fall.

Quellen :

https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2022/07/20220719VPIJuni2022.pdf

https://wko.at/statistik/indizes/PreiKoOester.pdf?_gl=1*18bpxke*_ga*NjgxMDM1ODQ0LjE2NTQ0MTU5MzM.*_ga_4YHGVSN5S4*MTY2MTQ5NDkzNy4xMS4wLjE2NjE0OTQ5MzcuNjAuMC4w&_ga=2.251158593.696271359.1661494937-681035844.1654415933

Zusammensetzung des Warenkorbs: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/697382/umfrage/zusammensetzung-des-warenkorbs-privater-haushalte-in-oesterreich/

https://www.oegb.at/themen/soziale-gerechtigkeit/verteilungsgerechtigkeit/am-rande-der-existenz–was-es-in-oesterreich-bedeutet–arm-zu-sein

https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/einkommen-und-soziale-lage/armut

Inflationsrechner: https://www.laenderdaten.info/Europa/Oesterreich/inflationsraten.php

https://www.armutskonferenz.at/armut-in-oesterreich/aktuelle-armuts-und-verteilungszahlen.html

https://www.ksv.at/insolvenzstatistik/insolvenzstatistik-1-halbjahr-2022-final

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